Aufmerksamkeitsprobleme können auch andere Ursachen haben und anders betrachtet werden

Das emotional hochbegabte Kind

In meiner entwicklungsneurologisch ausgerichteten Praxis werden in zunehmendem Maße Kinder vorgestellt, die weder eindeutig unter die Diagnose ADS/ADHS fallen noch Entwicklungsstörungen aufweisen; sie sind nicht depressiv, haben keine Angst- oder Zwangsstörung und fallen nicht in das autistische Spektrum. Dennoch scheinen sie nicht richtig zu „passen“ in ihrer Schule, in ihrem sozialen Umfeld und oftmals auch zu Hause.

Diese Kinder setzen sich intensiv mit dem auseinander, was sie erleben und beobachten und versuchen Zusammenhänge tiefer zu erkunden und zu verstehen. Sie sind empfindlich und feinfühlig bezüglich ihres Umfelds, des Geräusch­pegels, der Atmosphäre und Stimmung, der Gefühle anderer, insbesondere bezüglich ei­nes eher negativen Umfelds. Sie mögen es nicht, wenn andere Menschen laut sprechen, schroff, streng oder schrill sind. Sie sind eher kritikempfindlich und blühen auf, wenn man sie bestärkt und ihnen positive Rückmeldungen gibt. Sie möchten gefragt werden, was sie wahrnehmen, was ihre Meinung ist. Sie fragen nach dem Sinn der Dinge und von Situationen und nehmen deren Qualität tiefer in sich auf als andere Menschen. Sie haben sehr ausdifferenzierte und starke Gefühle, "wie genau" sich eine bestimmte Situation oder ein Mensch für sie anfühlt. Oft fragen sie die großen Fragen von Leben und Tod und es kann sie aus der Bahn werfen, wenn jemand in ihrem nahen Umfeld stirbt, selbst wenn es "nur" ein Tier ist. Sie genießen Zeiten, wo sie wirklich ihre Ruhe haben und auch faulenzen können und "langweilige" Dinge tun, wie sie es manchmal selbst nennen. Sie mögen keinen festen Stundenplan in der Freizeit, sie möchten nicht, dass jeden Nachmittag die Unternehmungen und Termine festgelegt sind. Viele dieser Kinder mögen keine Ganztagsschule oder feste Nachmittagsbetreuung, wo ihnen der Freiraum fehlt. Wenn es ihnen zu laut ist, haben sie Schwierigkeiten, sich zu kon­zentrieren. Ihre Leistungen hängen in hohem Maße davon ab, ob der Lehrer eine gute Bezugsperson für sie ist, ob das Umfeld positiv und ermutigend ist, denn ih­re Gefühle können leicht verletzt werden, und es ist nicht leicht für sie, diese ver­letzten Gefühle loszulassen. Menschenmengen können eine Bedrohung darstel­len, und wenn es keine Möglichkeit gibt, aus einer Reizüberflutung herauszu­kommen, können sie diesen übermäßigen Stress ausagieren, schreien oder weinen. Sie neigen dazu, zu viel Verantwortung zu übernehmen, sogar für ihre Eltern. Durch die Kombination mit ihrem Gerechtigkeitsempfinden kann es dazu kom­men, dass sie durch ihre Klassenkameraden gemobbt werden. Und weil sie so sensibel sind, verinnerlichen sie oft die kritisierenden Stimmen von anderen in ih­rem inneren Selbstgespräch. Auch Einschlafen kann schwierig für sie sein.

Ob die Ursache ihrer Schwierigkeiten in einer besonderen emotionalen Begabung liegt, kann durch die QEEG-Untersuchung, eine sogenannte Brainmap und eine diagnostische Neurofeedback-Sitzung unterstützt werden. Wenn dort ein bestimmtes Hyperaktivierungs- und Hyperkommunikationsmuster in den schnellen Wellen zu finden ist, teilweise begleitet von einem gewissen Grad an Entkopplungs- oder Hypokommunikationsmuster bei den langsamen Wellen, erlaubt dies eine Unterscheidung von Kindern mit ADS die beispielsweise ein Ver­langsamungsmuster in Hirnarealen, die für Aufmerksamkeit und Impulskontrolle zuständig sind, aufweisen.

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